Die philosophische Dimension der Wirtschaft: Mehr als nur Zahlen

(Universitätsprofessorin Symbolbild).

Ein neuer Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft durch die Philosophie

Die moderne Wirtschaftswelt wird oft als ein Spiel der Zahlen wahrgenommen. Doch Prof. Dr. Johanna Thoma, eine renommierte Philosophin von der Universität Bayreuth, fordert einen Perspektivwechsel. In ihrem bahnbrechenden Artikel „Social Science, Policy and Democracy“ betont sie die Bedeutung der Philosophie für ein tieferes Verständnis wirtschaftlicher Themen, insbesondere in Bezug auf deren Auswirkungen auf die Demokratie.

Literature advertisement

Der allmächtige Informatiker

Die englische Ausgabe dieses Buchs mit dem Originaltitel „The Mysterious Universe“ ist als populäres Wissenschaftsbuch des britischen Astrophysikers Sir James Jeans zuerst von der Cambridge University Press veröffentlicht worden.
Es enthält die erweiterte Version eines Vortrags, der vom Autor an der Universität Cambridge im Jahr 1930 gehalten wurde und beginnt mit dem ganzseitigen Zitat einer berühmten Passage aus Platons Republik, Buch VII, in welcher das Höhlengleichnis der antiken Philosophie erzählt wird. Der Autor Jeans bezieht sich in seinen Ausführungen unter anderem auf die von Max Planck begonnene Quantentheorie der Strahlung, auf Einsteins allgemeine Relativitätstheorie sowie auf die neuen Theorien der Quantenmechanik von Heisenberg und Schrödinger und bietet Lösungen für deren philosophische Verwirrung.
Die englische Ausgabe wurde 15 Mal zwischen 1930 und 1938 und zuletzt im September 2007 nachgedruckt. Mit der hier vorliegenden Ausgabe ist nun endlich auch eine aktualisierte deutsche Übersetzung erschienen.

Hier geht es weiter …

Literature advertisement

Phänomen Naturgesetze

Was uns an den beinahe mythischen Denkern der antiken Welt so fasziniert, ist die wundervolle, abgeschlossene Einheit ihres Weltbildes. Mit welcher prachtvollen Gebärde steht einer dieser Denker vor uns, der legendenumrankte Pythagoras etwa, und sagt mit kühlem, unbeirrbarem Blick: Ich halte das Weltgeheimnis in den Händen.
Und hier beginnen die Ziele des vorliegenden Werkes. Es erblickt seine Aufgabe darin, in einem Umfang, der sich noch durcharbeiten lässt, ein wirkliches Verständnis der Welterscheinungen zu geben, soweit die Wissenschaft ein solches besitzt.
Es will gerade das bieten, was man in den vielen Werken über die Welt vergeblich sucht, weil diese den Ehrgeiz haben, möglichst viele Tatsachen zu bringen, deren Verarbeitung dann dem Leser überlassen bleibt.
Hier dagegen wird ein prinzipiell anderer Weg beschritten; die Tatsachen sind nur Hilfsmittel und nicht Endzweck. Es wird genau die Auswahl dessen geboten, was von dem gesamten sicheren Wissen zum Verständnis unseres naturwissenschaftlichen „Weltbildes“ notwendig ist.
Und der Leser dieses Buches kann wie Pythagoras mit unbeirrbaren Augen in die Welt blicken, denn er hält ihr Geheimnis in seinen Händen.

Hier geht es weiter …

Philosophie trifft Wirtschaft: Ein neues Forschungsfeld

Thoma argumentiert, dass die Sozialwissenschaften, einschließlich der Wirtschaftswissenschaften, Wertannahmen zugrunde legen müssen, die oft die Grundlage politischer Entscheidungen bilden. Dies wirft eine zentrale Frage auf: Wie vereinbar ist dies mit den demokratischen Prinzipien? Die Antwort liegt in der Philosophie. Sie fordert eine breitere Palette von Werteorientierungen in den Sozialwissenschaften, um ein vielseitigeres und realistischeres Bild der Gesellschaft zu schaffen.

Die Rolle der Wissenschaft in der Demokratie

Der Artikel hebt hervor, dass die wissenschaftliche Forschung und die öffentliche Berichterstattung oft zu stark auf bestimmte Maßstäbe, wie etwa die Inflation, fokussiert sind. Dies führt zu einer einseitigen Darstellung der gesellschaftlichen Realität. Thoma schlägt vor, dass Wissenschaft und Forschung demokratischer gestaltet werden sollten, um die verschiedenen Wertvorstellungen der Bevölkerung widerzuspiegeln.

Fazit: Ein Plädoyer für Wertepluralismus

Prof. Thoma schließt mit einem starken Plädoyer für mehr Wertepluralismus in den Sozialwissenschaften. Sie betont, dass dies für die Aufrechterhaltung demokratischer Prinzipien entscheidend ist. Ihr Artikel unterstreicht die Notwendigkeit, die wirtschaftliche Analyse über reine Zahlen hinaus zu erweitern und sie in den Kontext von Ethik und gesellschaftlichen Werten zu stellen.

In einer Welt, in der Wirtschaft und Politik zunehmend miteinander verflochten sind, bietet Thomas Arbeit eine frische Perspektive. Sie erinnert uns daran, dass Zahlen allein nicht die ganze Geschichte erzählen und dass die Philosophie eine wichtige Rolle bei der Gestaltung unserer Zukunft spielt.

Originalpublikation:
Thoma, J. (2023), Social Science, Policy and Democracy. Philos Public Aff. https://doi.org/10.1111/papa.12250

 Tipp: Was die sozialen Klassen einander schulden.

Zur Quelle wechseln